Zwischen Elefanten, Townships und Unterrichtsalltag: BBS am Museumsdorf entsendet angehende Industriekaufleute und Erzieherinnen nach Südafrika

09.07.2026 – Acht Schülerinnen und Schüler der BBS am Museumsdorf absolvierten in diesem Schuljahr ein mehrwöchiges Auslandspraktikum in East London, Südafrika – begleitet von zwei Lehrkräften. Beim vor kurzem stattgefundenen interkulturellen Nachbereitungstreffen zogen alle Beteiligten ein klares Fazit: Diese Erfahrung verändert den Blick auf die Welt.

Internationale Bildung ist an den BBS am Museumsdorf kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. In diesem Schuljahr reisten vier angehende Industriekaufleute sowie vier angehende Erzieherinnen gemeinsam mit zwei Lehrkräften in die südafrikanische Stadt East London im Eastern Cape. Diese Region unterhält seit Jahren eine offizielle Partnerschaft mit dem Bundesland Niedersachsen. Ziel dieser Kooperation sind Wissensaustausch und interkulturelle Zusammenarbeit, insbesondere in der beruflichen Bildung, weshalb das Projekt der BBS vom Land Niedersachsen finanziell gefördert wird.

Praxisnah und international: Industriekaufleute in südafrikanischen Unternehmen

Die vier Auszubildenden zu Industriekaufleuten absolvierten ihr vierwöchiges Praktikum in zwei Unternehmen, die von der langjährigen Partnerschule MSC College vermittelt wurden. Hannah und Louis waren bei SFC Solution Climate, einem Automobilzulieferer, eingesetzt. Philipp und Vanessa sammelten ihre Erfahrungen bei Yanfeng, einem chinesischen Automobilzulieferer, der unter anderem für Mercedes-Benz produziert. Für Louis war der Aufenthalt eine Begegnung mit sich selbst: Er lernte nicht nur globale wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen, sondern erkannte auch eigene Vorurteile und gewann eine neue Wertschätzung für die eigenen Privilegien. Vanessa bringt es auf den Punkt: „Es ist ganz anders als man es sich vorstellt. Man hat ein gewisses Bild und vielleicht sogar Vorurteile über ein Land, aber das verfliegt, wenn man da ist. Es öffnet einem komplett die Augen.“

Pädagogik mit Weitblick: Angehende Erzieherinnen an der Lilyfontein School

Alea, Merit, Mercedes und Tabea waren für vier Wochen an der Lilyfontein School im Einsatz, einer neuen Partnerschule der BBS am Museumsdorf, die Kinder und Jugendliche von der Pre-Primary School bis zur Highschool begleitet. Die Schule setzt konsequent auf ganzheitliche Entwicklung statt auf reine Wissensvermittlung und bereitet ihre Schüler mit innovativen Konzepten wie der Erlebnispädagogik auf eine sich wandelnde Arbeitswelt vor. Gelegenheiten für Abenteuer bieten u.a. mehrtägige Outdoor-Camps, bei denen Kinder eigenständig einen Unterschlupf bauen, kochen und die Natur erleben.

Für die angehenden Erzieherinnen war der Einsatz in der Pre-Primary und der Foundation Phase ein intensiver Lernprozess. Alea beschreibt, dass sie einige Erfahrungen mit in ihren Berufsalltag aufnehmen möchte, zum Beispiel die Idee, mehr Abenteuer- und Outdoor-Aktivitäten in den pädagogischen Alltag einzubauen. „Ich habe gesehen, wie positiv sich das auf das Lernen, die Gemeinschaft und das Selbstbewusstsein der Kinder auswirkt.“ Merit ergänzt: „Wir haben nicht nur Kinder begleitet, sondern die haben auch uns etwas beigebracht.“

Begegnung mit sozialer Realität: Besuch im Township

Neben dem Praktikumsalltag erlebten die Teilnehmenden Südafrika auch abseits der Unternehmen und Schulen. Der Besuch eines Townships in Chintsa hinterließ bei allen einen bleibenden Eindruck: Die Auszubildenden halfen in einer Suppenküche bei der Essensvorbereitung, verteilten Mahlzeiten an 150 Kinder und verbrachten Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Alea reflektiert: „Ich habe erlebt, wie viele Menschen im Township mit sehr wenig auskommen müssen – und trotzdem freundlich, dankbar und herzlich sind. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig Dankbarkeit ist.“

Die Lehrkräfte Anne Bröring und Julia Hodes, welche die Schüler in den ersten zwei Wochen begleiteten, ziehen daraus eine gesellschaftspolitische Schlussfolgerung: „Den Unterschied zwischen Armut und Reichtum in Südafrika so enorm zu spüren, schärft unser Verständnis für die Sozialstaatlichkeit in Deutschland und die Notwendigkeit von Sozialleistungen. Die Menschen im Township haben aber gezeigt, dass man auch ohne viele Besitztümer glücklich sein kann.“

Internationale Ausrichtung als pädagogischer Auftrag

Für die beiden Lehrerinnen geht es bei solchen Projekten um mehr als individuelle Erlebnisse: „In einer Zeit gesellschaftlicher Herausforderungen und zunehmender Polarisierung sehen wir die internationale Ausrichtung unserer Schule als unerlässlich an. Bereits frühzeitige Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen fördern Verständnis, Toleranz und weltoffenes Denken.“ Gerade für die berufliche Bildung sei dies essenziell, da die Welt global vernetzt sei und Fachkräftezuwanderung in Bereichen wie Wirtschaft, Pflege und Erziehung zunehmend an Bedeutung gewinne.

Ausblick: Weitere Austausche geplant

Das Engagement der BBS am Museumsdorf endet nicht mit diesem Schuljahr. Bereits im Herbst sind wieder vier angehende Industriekaufleute für ein Praktikum in East London vorgesehen. Zudem ist ein Schüleraustausch für Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 der International Class des Beruflichen Gymnasiums geplant. Hannah fasst letztlich zusammen, was alle Auslandspraktikanten beim Interkulturellen Nachbereitungsworkshop angesprochen haben: „Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe. Ich würde es jedem empfehlen und jederzeit wieder machen. Es ist eine einmalige Gelegenheit.“ Mercedes ergänzt: „Ein Abenteuer, was nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen bleibt.“