10.05.2026 – Es ist Samstagabend. Die Brötchen vom Morgen sind hart geworden, der Joghurt ist gerade „abgelaufen“ und der Salat ist nicht mehr ganz knackig. Ohne viel darüber nachzudenken, wandern diese Lebensmittel direkt in den Abfalleimer. Es ist ein kurzer Handgriff, hinter dem viel mehr steckt, als wir oftmals wahrhaben wollen – beispielsweise wertvolle Ressourcen, Arbeitszeit, Energie und Wasser, die ohne einen Funken Rücksicht verschwendet werden. Lebensmittelverschwendung ist kein fernes Problem der Großstädte oder berühmter Supermarktketten.
Es beginnt im eigenen Kühlschrank, dem Einkaufskorb und hinter der Ladentheke. Sie geschieht hier. In den Großstädten. In den Dörfern. In unseren Haushalten. In unseren Lieblingsrestaurants. Und oft ganz leise…
Gerade im ländlichen Raum, wo Landwirtschaften und regionale Produkte eine große Rolle spielen, ist es widersprüchlich, dass genießbare Lebensmittel in den Müll wandern.
Ein großer Aspekt, der schnell zum Wegwerfen verleitet, ist die Unsicherheit beim Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele Menschen verwechseln es mit einem Verfallsdatum und entsorgen Lebensmittel, die noch problemlos verzehrt werden könnten. Dabei bedeutet „mindestens haltbar bis“ nicht „ab diesem Tag ungenießbar“.
Auch Bäckereien, Supermärkte und regionale Hofläden stehen vor einem Konflikt. Die Regale sollten bis zum Ladenschluss gut gefüllt sein, doch die Nachfrage an Produkten lässt sich nicht exakt vorhersagen. Am Abend bleiben so Backwaren und frische Produkte übrig. Aber was passiert mit diesen Lebensmitteln und wie könnte eine Verschwendung vermieden werden?
Gemeinsam mit dem Unternehmen Lüske in Höltinghausen (Emstek), möchten wir diesem Problem nachgehen und etwas bewirken. Lüske kooperiert mit der App „Toogoodtogo“, wo der Name bedeutet „zu gut, um es wegzuwerfen“. Konsumenten können hier günstige Überraschungstüten erwerben und somit Lebensmittel retten. Diese ist eine von vielen Maßnahmen, die im Unternehmen in Angriff genommen wird, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Laut Nele Lüske läuft dieses System sehr gut (effizient) und die Nachfrage ist sehr hoch. Eine vermehrte Nutzung der App könnte es weiteren Unternehmen wie Bäckereien und Supermärkten ermöglichen, überschüssige Lebensmittel vergünstigt anzubieten und somit einen Bruchteil zur Verbesserung dieses Problems beizutragen. Denn jedes gerettete Brot, jedes verwertete Gemüse ist mehr als nur eine Mahlzeit. Es ist ein Zeichen von Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln und nicht zuletzt auch unserer Umwelt.
Lebensmittelverschwendung lässt sich aber nicht nur mit einer einzigen Maßnahme verhindern. Es sind viele kleine Schritte, die dazu beitragen, wie beispielsweise bewusster einkaufen, Haltbarkeitsdaten richtig einschätzen und oder Reste kreativ verwerten. Wenn wir Bürger und Bürgerinnen zusammenarbeiten, kann aus einzelnen Maßnahmen eine Wirkung entstehen.
Lebensmittel sind mehr als bloße Ware. In ihnen stecken viel Arbeit, Zeit und Energie. Wenn wir sie achtlos wegwerfen, verschwenden wir nicht nur Nahrung, sondern auch mühevolle Arbeit der Produzenten. Jeder Einkauf, jede bewusste Entscheidung und kreative Weiterverwendung ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Veränderung beginnt im Kleinen.
Schauen wir nicht länger weg. Jeder von uns entscheidet täglich, ob Lebensmittel auf dem Teller oder im Müll landen, denn sie sind zu wertvoll für die Tonne.
Beginnen wir heute, hier bei uns auf dem Land.
Dieser Artikel wurde von Greta Derjue im Rahmen der Projektarbeit in der 12. Klasse des Beruflichen Gymnasiums Ökotrophologie (BGÖ) verfasst. Ihre Projektgruppe, die zudem aus Lara Breyer, Louisa Schmalfeldt und Katharina Teich besteht, widmete sich dem Thema „Vom Überfluss zur Wertschätzung – Lebensmittelverschwendung im ländlichen Raum reduzieren“. Die Projekte in der 12. Klasse des Beruflichen Gymnasiums münden in einer Facharbeit und in einer Präsentation. Damit werden die Schüler*innen auch an das wissenschaftliche Arbeiten, das an den Universitäten in Seminararbeiten gefordert wird, herangeführt. Im BGÖ besteht die Besonderheit, dass die Projekte i.d.R. für und in Kooperation mit Projektpartnern aus der Welt der Ernährungswissenschaft entstehen. So erhalten die Schüler*innen Einblicke in reale Probleme, Prozesse und Problemlösungen!
Das Projektziel der Gymnasiastinnen ist u.a., über Lebensmittelverschwendung aufzuklären, weshalb sie sich an die örtlichen Medien gewendet haben. Ein großer Artikel zu ihrem Projekt, der in Zusammenarbeit mit dem Reporter Thomas Vorwerk erstellt wurde, ist deshalb auch in der MT zu finden: https://www.om-online.de/om/das-mhd-ist-kein-verfallsdatum-911118






