Schule macht Mut zum Selbermachen: BBS am Museumsdorf wird offizieller „START:PUNKT“ für junge Unternehmensgründer

15.06.2026 – Landkreis Cloppenburg. Wer eine zündende Idee hat, ein eigenes Projekt starten oder später sogar ein Unternehmen gründen möchte, findet an den Berufsbildenden Schulen am Museumsdorf in Cloppenburg ab sofort eine feste Anlaufstelle. Die Schule trägt nun offiziell das Siegel „START:PUNKT“. Damit wird die Schule zur direkten Außenstelle des Gründungsnetzwerks im Landkreis Cloppenburg, das bislang nur im Ecopark im Zentrum Zukunft vertreten war.

„Mindset Entrepreneurship Education“ – so der Titel der von der BBS und des TrENDi-Teams der Uni Vechta organisierten Fachtagung – bedeutet, dass Jugendliche lernen sollen, mutig zu sein, eigene Ideen auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen. Es geht darum, das klassische „Unternehmer-Gen“ schon in der Schulzeit zu wecken oder zu fördern.

Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Schulen, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik folgten der Einladung in die Berufsschule. Dass das Thema überregionale Bedeutung hat, zeigte auch der Besuch eines Vertreters der Wirtschaftsförderung aus der niederländischen Gemeinde Westerkwartier, der sich das Cloppenburger Modell vor Ort ansah.

Schulleiter Günter Lübke machte deutlich, dass es bei der Förderung nicht nur um den Weg in die klassische Selbstständigkeit geht: „Wir wollen junge Menschen darauf vorbereiten, in einer komplizierten Welt Chancen zu erkennen, Probleme kreativ zu lösen und mit Unsicherheiten umzugehen. Ob unsere Schülerinnen und Schüler später ein eigenes Unternehmen gründen oder als Angestellte im Betrieb Verantwortung übernehmen, ist zweitrangig. Wichtig ist die innere Haltung: anpacken statt abwarten.“ Die Fachtagung zeige Wege auf, wie man dieses Ziel erreichen könne und solle den Austausch auf Fachebene fördern.

„Wir nehmen unsere Rolle als Schulträger sehr ernst“, betonte Kreisrätin Anne Tapken. „Das bedeutet für uns als Landkreis weit mehr als nur Gebäude instand zu halten. Wir sorgen für die moderne technische Ausstattung und die nötige Infrastruktur, damit unsere Schulen bei den großen Zukunftsthemen vorne mitspielen können.“ Durch das Projekt „Gründungsregion“ der Wirtschaftsförderung des Landkreises, das federführend von Angela Hoefert betreut wird, soll das Angebot nun direkt in den Schulalltag hineinfließen.

Die wissenschaftliche Perspektive brachte Prof. Dr. Jantje Halberstadt von der Universität Vechta ein. Sie leitet das dortige Gründer-Projekt „TrENDi“ und forscht dazu, wie man Eigeninitiative vermittelt: „Das Wort Entrepreneurship kommt vom französischen ‚entreprendre‘ – und das heißt schlicht: etwas unternehmen. Wir haben in unseren Schulen und Universitäten oft noch Methoden aus Zeiten: Die Vorlesung wurde eingeführt in Zeiten, als es zu wenig Bücher für alle gab. Heute haben wir aber das Internet und künstliche Intelligenz“, betonte Halberstadt. So würde man jungen Menschen beibringen, darauf zu warten, Wissen von anderen zu erhalten. „Sie sehen also, nicht nur die Schülerinnen und Schüler sind es, die etwas ändern müssen, wir selbst haben im Bildungssystem auch einen Weg vor uns.“ Halberstadt plädierte für einen Wandel im Unterricht: „Nur wer Selbstsicherheit gewinnt, entwickelt auch das Gefühl, selbst etwas verändern zu können.“

Die für die Konzeption und Durchführung maßgeblich verantwortlichen Dr. Arne Ortland (TrENDi) und Folker Arndt (BBS am Museumsdorf) stellten die Bedeutung der Kooperationen von Hochschulen, Schulen und Unternehmen heraus. Durch ein Ineinandergreifen der Konzepte zu Entrepreneurship Education und dem Lernen durch Engagement könne Unterricht motivieren, Spaß machen und gleichzeitig äußerst praxisorientiert sein. Gleichzeitig würden die Schülerinnen und Schüler automatisch beruflich orientiert.

Wie lebendig diese Ideen bereits in der Praxis umgesetzt werden, konnten die Gäste auf einem eigens aufgebauten „Markt der Möglichkeiten“ selbst ausprobieren. An einer VR-Station wurde an Rechnern und mit VR-Brillen demonstriert, wie Virtual Reality in Schülerfirmen, in Betrieben und im Unterricht geplant und eingesetzt wird. Weitere Stationen zeigten, wie Schülerinnen und Schüler in Form von Schülergenossenschaften und Schülerfirmen echte Geschäftskreisläufe erproben, nachhaltige Produkte entwickeln und dabei spielerisch lernen, wie ein Unternehmen von der Buchhaltung bis zum Marketing funktioniert. Zudem präsentierten die Universität Vechta mit ihrem TrENDi-Service und die Wirtschaftsförderung mit dem START:PUNKT ihre konkreten Unterstützungs- und Beratungsangebote.

Durch die neue Partnerschaftsvereinbarung zwischen der BBS und der Wirtschaftsförderung des Landkreises wird die Schule nun zur festen Anlaufstelle. Dann werden Schüler nicht nur beraten, sondern für Schüler wird ein Angebot aus Beratung, Vorträgen und gemeinsamen Projekten gestaltet. Der erste zusätzliche START:PUNKT OM soll dabei helfen, junge Talente in der Region zu halten und die Innovationskraft vor Ort nachhaltig zu stärken.

Fotohinweis: Freuten sich über die Einrichtung des ersten zusätzlichen START:PUNKT OM und die gute Beteiligung am Fachtag: Kreisrätin Anne Tapken und Schulleiter Günter Lübke (vorne, von links), sowie Dr. Arne Ortland, Angela Hoefert und Folker Arndt.

Text und Foto: Sascha Rühl / LK Cloppenburg