Planspiel zum neuen Düngerecht

Schweinemäster Gerd Wülpern und Agrarstudent Stephan Eckey führten im Planspiel in Rotenburg einen fiktiven Milchviehbetrieb, der durch die neue Düngeverordnung vor großen Herausforderungen steht (Foto: Katharina Raupach)
16.08.2018 — Mit dem Ziel, die Nährstoffüberschüsse im Land abzubauen, verabschiedete die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine neue Düngeverordnung. Derzeit wird im Landwirtschaftsministerium in Hannover die Umsetzung des aktualisierten Düngerechtes in das Landesrecht vorbereitet. Mithilfe eines Planspiels sollen zu dieser Thematik in Cloppenburg Strategien getestet und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Die neuen Regelungen betreffen zwar zuerst die Landwirte, aber die Folgen werden auch für den vor- und nachgelagerten Bereich spürbar sein. Dazu zählen Lohnunternehmen, Landhändler, Wasserverbände, Lebensmittelhändler, die Bevölkerung im ländlichen Raum und nicht zuletzt die Verbraucher, die mit ihren Entscheidungen Einfluss auf die künftigen Entwicklungen in der Landwirtschaft nehmen.

Am Planspiel können 60 Teilnehmer mitwirken. Sie agieren in Teams von drei bis fünf Personen in einer fiktiven aber realitätsnahen Situation. Die einzelnen Teams schlüpfen beispielsweise in die Rolle eines landwirtschaftlichen Betriebes, Lebensmittelhändlers, Umweltschützers oder Landwirtschaftsministers. Über eine Internetplattform verhandeln sie mit den anderen Gruppen, fällen Entscheidungen und können auf diese Weise die Folgen ihres Handelns erleben. Anders als in der Realität geschieht dies jedoch ohne tatsächliches Risiko. Die Teilnehmer bekommen spielerisch Einblicke in die Nährstoff-Problematik, können sich mit Experten unterschiedlichster Fachrichtungen austauschen, Strategien ausprobieren und Schlüsse für den eigenen Betrieb ziehen. Bauämter oder andere gesellschaftliche Akteure, die nicht als eigene Gruppe im Planspiel vertreten sind, werden von einer kompetenten zehnköpfigen Spielleitung simuliert.

Das Projekt wird von der Göttinger Sozialwirtin Gerlinde Wiese geleitet und in Zusammenarbeit mit dem Landvolk Niedersachsen Landesverband e.V. und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen durchgeführt. Dr. Bernhard Rump von der Bezirksstelle Oldenburg-Süd erhofft sich vom Planspiel Szenarien zur zukünftigen regionalen Ausgestaltung der Landwirtschaft. Auch das Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement der Landwirtschaftskammer unterstützt das Planspiel aktiv. Die Teilprojektleiter für die Veredelungsregion Heinrich Tabeling (Teilprojekt I) und für die Ackerbauregion Thomas Beiß-Delkeskamp (Teilprojekt III) erachten den Perspektivwechsel als sehr wichtig. Er kann dazu beitragen, das Verständnis der Akteure füreinander sowie die gesellschaftliche Akzeptanz des Wirtschaftsdüngereinsatzes zu steigern. Der Berater Christian Weber (Teilprojekt III, Ackerbauregion) wirkt in der Spielleitung mit. Darüber hinaus ist Johannes-Albrecht Lüntzel (Betriebsnachfolger Gut Nienrode, Pilotbetrieb Teilprojekt III) seitens der Universität beteiligt.

Zu den weiteren Unterstützern zählen unter anderem der Bundesverband Lohnunternehmen sowie das Umweltzentrum Oldenburger Münsterland. Besonders involviert sind die Berufsbildenden Schulen am Museumsdorf. Sie stellen für drei Tage die Räumlichkeiten für das Planspiel zur Verfügung. Robin Schnell, Leiter der Abteilung Agrarwirtschaft beteiligt sich mit einer Klasse von Fachschülern am Planspiel: „Für uns bietet sich damit eine gute Gelegenheit, das ungeliebte Thema Nährstoffüberschüsse im Unterricht anschaulich zu diskutieren“.

Das Planspiel wurde mit finanzieller Unterstützung durch die Landwirtschaftliche Rentenbank an der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Göttinger Universität entwickelt und dort zweimal mit Studierenden getestet. Mittlerweile fördert das niedersächsische Landwirtschaftsministerium das Projekt. Im Mai wurde es in der Bioenergie-Region Rotenburg/Wümme abgehalten. Mit der Durchführung in Cloppenburg soll die Planspiel-Methode nun erstmals in einer viehstarken Region zum Einsatz kommen.

Die Teilnahme am Planspiel ist kostenlos und setzt keine Spezialkenntnisse voraus. Es wird vom 9. bis 11. November an der Berufsbildenden Schule am Museumsdorf in Cloppenburg durchgeführt, beginnt am Freitag um 14 Uhr und endet Sonntag um 14 Uhr. Um das Vorhaben bekannt zu machen, findet am Montag, 27. August um 16.00 Uhr bei der Landwirtschaftskammer in Cloppenburg ein Treffen für Interessierte statt. Anmeldungen für beide Veranstaltungen können ab sofort bei gwiese@uni-goettingen.de erfolgen. Nähere Informationen finden sich unter www.uni-goettingen.de/planspiel.

Kontakt:

Georg-August-Universität Göttingen
Gerlinde Wiese
Tel.: 0551 50419008
Mobil: 0177 6111897 oder 01522 6817555
E-Mail: gwiese@uni-goettingen.de