Berufsfachschüler sezieren Schweineherzen

Lehrerin im Fachbereich Gesundheit Marie Holters (Mitte) erklärt ihren Schülerinnen Nicole Hooge (links) und Joanna Sarkowicz (rechts) anatomische Details bei dem Sezieren der Schweineherzen.
09.05.2019 — Um den Aufbau des Herzens und seiner Gefäße sowie deren Erkrankungen besser verstehen zu können sezierten Schülerinnen der Berufsfachschule für Altenpflege der BBS am Museumsdorf Schweineherzen.

Das Schweineherz ähnelt im Aufbau und der Größe dem menschlichen Herzen, erklärt die betreuende Lehrkraft Marie Holters. Die Schülerinnen lernen anatomische Strukturen am Realobjekt kennen, um den Aufbau und die lebenswichtige Funktion des Herzens nachzuvollziehen und zu verstehen. Fachbücher und Lehrfilme verwenden nur vereinfachte und stark schematisierte Graphiken. Diese sind zwar funktionell, aber kaum in der Lage, natürliche Gewebe und Strukturen abzubilden.

Das Präparieren ermöglicht den Schülerinnen, Gewebe in seiner natürlichen Form zu sehen und auch anzufassen. Die Arbeit mit dem Realobjekt hilft bei der Verknüpfung von theoretisch erlerntem Fachwissen mit praktisch erarbeiteten Kompetenzen. Die Schülerinnen haben die Möglichkeit zu verstehen, welche Auswirkungen und Ursachen Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder ein Defekt einer der vier Herzklappen haben kann. Dieses anatomische Verständnis ist Grundvoraussetzung für ein eigenverantwortliches und reflektiertes Handeln in ihrem pflegerischen Beruf und auch im Privatleben.

Zu zweit erhielten die Schülerinnen ein Schweineherz. Dieses mussten sie zunächst von außen betrachten, um Größe und Gewicht zu bestimmen und um äußere Strukturen wie die Herzkranzgefäße und die Gefäße zu erfassen. Mithilfe eines Glasstabes ertasteten die Schülerinnen, wohin die Gefäße im Herzen münden, um so zu bestimmen, ob es sich um ein Zu- oder ableitendes Gefäß handelt.
Erst im Anschluss daran erfolgte das Eröffnen des Herzens. Die Schülerinnen benannten wesentliche innere Strukturen, wie die Herzscheidewand, die Segel- und Taschenklappen sowie die Unterteilung des Herzens in Vorhöfe und Kammern und markierten diese durch beschriftete Holzstäbchen. Die Lehrkräfte hatten als Anschauungsmodell auch eine Schweinelunge mitgebracht, bei der man sehen konnte, wie das Herz zwischen den beiden Lungenflügeln sitzt und wie Herz und Lunge zusammenarbeiten.

Schülerinnen, die aus persönlichen oder ethischen Gründen nicht an dem Präparieren teilnehmen wollten, hatten die Möglichkeit ein Herzmodell nachzubauen, um auf diese Art und Weise ein Verständnis für anatomische Strukturen zu erlangen. Wichtig war den betreuenden Lehrerinnen Marie Holters und Anna Kutzner, dass sich niemand zum Präparieren gezwungen fühlen sollte und dass die Aktion mit persönlichen Ansichten vereinbar sein musste. Auf dieses Angebot griff allerdings niemand zurück. Viel zu spannend waren die echten Herzen.

Sowohl für die Lehrerinnen als auch für die Schülerinnen war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Mit einem überschaubaren Aufwand konnte eine praktische Unterrichtsstunde realisiert werden. „Anfangs waren alle noch etwas zurückhaltend und mussten sich erst einmal daran gewöhnen, ein echtes Herz in Händen zu halten, aber diese Scheu haben die Schülerinnen sehr schnell abgelegt. Alle waren sehr konzentriert und aufmerksam beim Sezieren, haben viele Nachfragen gestellt. Die erstaunten und faszinierten Gesichter der Schülerinnen haben richtig Spaß gemacht“, berichtet Marie Holters.

Zitate der Schüler: „Das sieht ja krass aus!“, „Wie schön das Herz ist! Das hätte ich nicht gedacht“, „Das war wirklich eine tolle Stunde heute!“ In der Berufsfachschule für Altenpflege wurde bereits in einigen Vorjahren Schweineherzen präpariert. Geplant ist eine feste Integration in den Lehrplan, um allen Schülerinnen und Schülern der nächsten Jahrgänge die Gelegenheit zu geben, Anatomie hautnah zu erleben.