04.02.2026 – Mit einer Auftaktveranstaltung hat die BBS am Museumsdorf ein landesweit einmaliges Innovationsprojekt vorgestellt und mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die Hintergründe und Vorteile erörtert.
Zum Schuljahr 2026/2027 startet an der BBS am Museumsdorf erstmals in Niedersachsen das Berufliche Gymnasium Berufliche Informatik mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Die Gründung dieser neuen Schulform soll einen bedeutenden Beitrag zur Erhöhung digitaler Kompetenzen und zur Qualifizierung von Fachkräften im Bereich der Wirtschaftsinformatik – regional und überregional – leisten.
Digitale Kompetenzen als Schlüsselqualifikation
Schulleiter Günter Lübke sieht im neuen Bildungsgang eine konsequente Antwort auf veränderte Anforderungen aus Wirtschaft und Gesellschaft. In diversen Studien würden KI, Digitalisierung und Future Skills immer wieder genannt, um den Mittelstand zukunftsfähig zu machen. Jedoch gäbe es eine deutliche Lücke bei der systematischen digitalen Kompetenzentwicklung. Dies sei sowohl in Arbeitskreisen zwischen Schule und Wirtschaft bestätigt worden als auch in der intensiven Zusammenarbeit mit den Hochschulen.
Wirtschaft sieht dringenden Handlungsbedarf
Die regionale Wirtschaft signalisiert klaren Bedarf. Dirk Gehrmann von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Cloppenburg betonte im Rahmen der Auftaktveranstaltung, dass gerade mittelständische Betriebe gut ausgebildete IT-Nachwuchskräfte bräuchten, etwa im Bereich IT-Sicherheit. Somit trage das Angebot zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes bei. Dr. Arne Ortland vom TrENDi Entrepreneurship Service an der Universität Vechta erklärte, dass durch das neue Berufliche Gymnasium Wirtschaftsinformatik die digitalisierungsrelevanten Kompetenzen auch für kleine mittelständische Unternehmen zugänglich werden. Somit könnte letzten Endes sichergestellt werden, dass das Oldenburger Münsterland als Region wirtschaftlich mithalten und gleichwertige Lebensverhältnisse langfristig erhalten kann.
Starker Standort mit passenden Voraussetzungen
Dass der Pilot in Cloppenburg startet, liegt laut Schulleiter Lübke an den vorhandenen Stärken der Schule: moderne IT-Infrastruktur, spezialisierte Fachräume und erfahrene Lehrkräfte aus Informatik und Wirtschaft. Zudem habe die BBS am Museumsdorf in der Vergangenheit schon mit anderen Schulformen ihre Innovationskraft bewiesen. So habe die Schule u.a. die Zusatzqualifikationen für Kaufleute für internationale Geschäftstätigkeit oder für Fachkräfte für Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt, die von anderen Schulen aufgegriffen wurden.
Klare Unterstützung durch den Landkreis
Unterstützung kommt vom Landkreis. Landrat Johann Wimberg unterstrich das Engagement des Schulträgers: „Wir sind für die Hardware zuständig, die Schulen kümmern sich um die Software“. Mit früheren Investitionen, wie der Einrichtung des „MakerSpace“, einer hochmodernen Experimentierumgebung mit Technologien wie 3D-Druckern und VR-Brillen, sei die Basis für einen solchen Bildungsweg geschaffen worden. Wimberg sieht im neuen Angebot eine wichtige Grundlage, damit junge Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und über fundierte digitale Kompetenzen verfügen. Somit ist das Angebot für die Schülerinnen und Schüler interessant, weil es ihnen eine Perspektive gibt – unabhängig davon, ob sie sich nach der Schule für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden.
Hochschulen begrüßen bessere Vorbereitung
Auch Hochschulen begrüßen den Schritt. Prof. Dr. Dennis De, Präsident der PHWT Vechta / Diepholz, hob hervor, dass Studierende mit solidem Informatikhintergrund besonders erfolgreich seien. Er sehe bei Abiturienten häufig eine Diskrepanz im nötigen Handwerkszeug. Um Abiturienten von Beruflichen Gymnasien mache er sich jedoch weniger Sorgen, da sie u.a. Berufliche Informatik in allen beruflichen Fachrichtungen als Unterrichtsfach haben, aber auch viele Projekte durchführen und somit ihre Problemlösefähigkeiten und Resilienz trainieren. Für die PHWT sei es ein großer Glücksfall, das neue Berufliche Gymnasium direkt vor der Haustür zu haben. Prof. Dr. Benjamin Weinert (Hochschule Osnabrück) ergänzte, vorhandenes Grundlagenwissen ermögliche es Hochschulen, sich stärker auf neue Technologien zu konzentrieren. Themen wie KI werden später von allen verinnerlicht und integriert sein: „Umso wichtiger ist es, Menschen zu empowern, die Digitalisierung zu lernen und zu verstehen“.
Vernetzung, Praxis und Dialog
Der Austausch endete mit Vorschlägen und Impulsen, die Verzahnung des neuen Bildungsgangs mit den beteiligten Institutionen zu fördern. Schulleiter Günter Lübke bekräftigte: „Wir freuen uns auf den Start des innovativen Beruflichen Gymnasiums Wirtschaftsinformatik. Für uns liegt das Ziel klar vor Augen: Ein Bildungsgang mit Strahlkraft, der Schule, Wirtschaft und Wissenschaft eng vernetzt und die digitale Zukunft der Region aktiv mitgestaltet.“
Anmeldeschluss für alle Berufsbildenden Schulen im Landkreis Cloppenburg ist der 20. Februar 2026. Weitere Informationen auf www.bbsam.de.
Bild (v.l.n.r.): Schulleiter Günter Lübke (BBS am Museumsdorf), Prof. Dr. Dennis De (PHWT Vechta / Diepholz), Dirk Gehrmann (Wirtschaftsförderung des Landkreises Cloppenburg), Kreisrätin Anne Tapken (Landkreis Cloppenburg), Dr. Arne Ortland (TrENDi Entrepreneurship Service an der Universität Vechta), Prof. Dr. Benjamin Weinert (Hochschule Osnabrück), Landrat Johann Wimberg (Landkreis Cloppenburg) im MakerSpace der BBS am Museumsdorf. [Fotograf: Sascha Rühl, Landkreis Cloppenburg]






