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Organspende im Fokus: Zwei bewegende Vorträge an den BBS am Museumsdorf

Drei Perspektiven – medizinisch, pflegerisch und persönlich – zeigten in Vorträgen vor den Schüler*innen der BBS am Museumsdorf eindrucksvoll, warum es so wichtig ist, sich frühzeitig mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen.

Rund 450 Schüler*innen der BBS am Museumsdorf Cloppenburg nahmen an zwei eindrucksvollen Veranstaltungen zum Thema Organspende teil. Die Vorträge wurden von Lehrerin Hildegard Bünnemeyer-Lau sowie Sabrina Loxen, Abteilungsleiterin Wirtschaft und Verwaltung, organisiert und richteten sich an Klassen des Beruflichen Gymnasiums, der Fachoberschule, der Berufsfachschulen sowie an Auszubildende verschiedener Fachrichtungen. Vier Gäste gaben den Jugendlichen sowohl medizinische, pflegerische als auch persönliche Einblicke in das Thema Organspende – und bewegten viele von ihnen tief.

Den medizinischen Einstieg übernahm Dr. Christian Prause, Oberarzt am Meppener Ludmillenstift. Er informierte umfassend über die aktuellen Zahlen und Abläufe rund um die Organspende in Deutschland. 2024 standen 953 Organspender*innen rund 8.716 wartende Patient*innen gegenüber. Viele sterben, bevor ein geeignetes Organ gefunden wird.

Dr. Prause erklärte eindrücklich, unter welchen Voraussetzungen eine Organspende möglich ist – etwa, dass ein Hirntod vorliegen und intensivmedizinisch festgestellt sein muss. Der Prozess sei hochsensibel, es gelten strenge Richtlinien und mehrstufige Untersuchungen. Besonders hob der Mediziner hervor, dass Angehörige oft mit dieser Entscheidung allein gelassen würden, weil viele Menschen zu Lebzeiten keine Entscheidung treffen.

Er machte außerdem auf das neue Online-Register für Organ- und Gewebespenden aufmerksam, in dem man mit Hilfe des Personalausweises oder der Krankenkassenkarte seine Entscheidung dokumentieren kann. Noch sind die Eintragungszahlen niedrig. Auch alternative Modelle wie die in vielen europäischen Ländern praktizierte Widerspruchslösung oder Lebendspenden wurden angesprochen.

Pflege mit Herz und Verantwortung

Einen sehr persönlichen Einblick gab Sabine Stoll, Intensivkrankenschwester am Ludmillenstift Meppen. Sie schilderte ihren beruflichen Alltag im Umgang mit Patient*innen auf der Intensivstation und mit potenziellen Organspender*innen. Besonders räumte sie mit dem weitverbreiteten Irrglauben auf, dass Patient*innen mit Organspendeausweis medizinisch anders behandelt würden: „Wir wollen helfen, wir wollen Leben retten – wir wollen keine Organspender ‚züchten‘!“ Stoll betonte, wie schwer die Zeit für Angehörige sei. Viele Menschen hätten die Einstellung „das sind ja die anderen, nicht wir“, die von solchen Entscheidungen betroffen sind. Aber es kann jeden treffen. Ihr Appell: „Ihr nehmt euren Eltern eine Riesen Last ab, wenn ihr mit ihnen darüber geredet habt. Wir wollen nicht, dass ihr euch jetzt entscheidet. Aber denkt drüber nach und sprecht drüber.“

Die Perspektive einer betroffenen Familie

Besonders emotional wurde es beim Bericht von Waltraud Dahm, die gemeinsam mit ihrer Tochter Kristin über den tragischen Unfalltod ihres Sohnes Jannik berichtete. Die Familie entschied sich damals zur Organspende – fünf Menschen konnten so weiterleben. Durch die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) erhielt die Familie später anonymisierte Rückmeldungen der Empfänger. Zwei der Empfängerinnen – darunter die der Herztransplantation – schickten bewegende Dankesbriefe, die bei der Veranstaltung vorgelesen wurden. Die Empfängerin des Herzens berichtete, dass sich ihr Zustand vor der Operation drastisch verschlechtert hatte und sie nur noch wenige Monate überlebt hätte. „Er hat mir seinen Kampfgeist mitgegeben. Ich spüre so viel Liebe für meinen Helden und verspreche, dass ich so sehr aufpassen werde auf unser Herz.“, schrieb sie Familie Dahm. Für Kristin Dahm war dieser Brief wie eine „Rose aus dem Himmel“. Ihre Mutter Waltraud fasste die Botschaft ihres Berichts so zusammen: „Man kann in so einem Moment eigentlich keine Entscheidung treffen. Uns ist wichtig, dass ihr eine Entscheidung trefft – egal ob ja oder nein. Eure Angehörigen müssen mit dieser Entscheidung, die sie sonst für euch treffen, leben.“ Auch Kristin bekräftigte: „Was derjenige gewollt hätte, das ist das, was zählt. Nehmt euren Eltern diese Entscheidung ab.“

Auch interessierte Fragen aus dem Publikum wurden offen beantwortet – etwa nach dem Freund, der den Autounfall überlebte, oder zu den Voraussetzungen einer Lebendspende. Die Familie warnte zudem vor unseriösen Internetquellen, die Angst verbreiten – etwa mit Behauptungen über schmerzverzerrte Gesichter der Organspender nach der Organentnahme.

Nachhall bei den Schülerinnen und Schülern

Die Reaktionen der Jugendlichen zeigten, wie tief die Vorträge sie bewegt hatten. Viele berichteten, dass der Vortrag sowohl informativ, als auch sehr emotional war. „Die Perspektive der Familie des Spenders war etwas, was man sonst nicht so oft hört wie die der Empfänger des Organs.“, erklärte eine Schülerin im Nachgang. Viele wurden zudem motiviert, sich einen Organspendeausweis mitzunehmen und ihn auszufüllen.

Am Ende der Veranstaltung wurde klar: Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist individuell – aber sie sollte bewusst getroffen und kommuniziert werden. Nur so kann im Ernstfall nach dem eigenen Willen gehandelt werden – und anderen vielleicht das Leben gerettet werden.

Bild 1 (v.l.n.r.): Lehrerin Hildegard Bünnemeyer-Lau, Abteilungsleiterin Sabrina Loxen, Kristin Feld und Waltraud Dahm, Dr. Christian Prause, Sabine Stoll und Schulleiter Günter Lübke vor den Fachvorträgen zum Thema Organspende.

Bild 2: Schülerinnen und Schüler hören gebannt den Berichten von Dr. Christian Prause, Sabine Stoll, Kristin Feld und Waltraud Dahm zu.

[Fotografin: Stina Köster]

Berufsbildende Schulen am Museumsdorf Cloppenburg
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