Rund 140 Schüler*innen der Beruflichen Gymnasien erfuhren in einem Fachvortrag von Günther Oettinger, ehemaliger EU-Kommissar und Ministerpräsident Baden-Württembergs, seine Perspektive auf globale ökonomische Entwicklungen. Im Anschluss stellte er sich den Fragen der interessierten Gymnasiast*innen.
Rund 140 Schüler der 12. und 13. Klassen der Beruflichen Gymnasien Agrarwirtschaft, Gesundheit und Pflege, Ökotrophologie sowie Sozialpädagogik nahmen an der Veranstaltung teil. Organisiert von Fachlehrerin Anne Rüter in Zusammenarbeit mit Dirk Meinhardt, Teamleiter BVW, bot die Veranstaltung tiefgehende Einblicke in die internationalen, aber auch regionalen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.
Globale Herausforderungen und regionale Perspektiven
Der ehemalige EU-Kommissar und Ministerpräsident Günther Oettinger hob die Rolle des europäischen Binnenmarkts auch für Cloppenburg hervor. Durch den europäischen Binnenmarkt seien 440 Millionen Menschen direkt miteinander verbunden. Cloppenburg stelle u.a. auch durch die Bundesstraße, welche wichtige europäische Häfen miteinander verknüpfe, ein wichtiges Element dar. Doch wie Vergleichszahlen zeigen, schwindet die Bedeutung Europas im globalen Handel aufgrund von Demografie, Exportabhängigkeit und geopolitischen Spannungen.
Die Teilnehmer erfuhren, dass Europas Wohlstand und seine Stellung als globaler Akteur unter Druck stehen. Ein Achtel der Weltbevölkerung lebe in Europa und erwirtschafte 15% des globalen BIPS. Um diesen Anteil zu halten, bedarf es jedoch einer klaren Standortpolitik. Die Automobilindustrie – einer der größten Arbeitgeber im Norden Niedersachsens – illustriert diese Entwicklung eindrücklich: Während die Kapazität theoretisch bei 6,2 Millionen Autos liegt, sank die Produktionsmenge zuletzt auf 5,0 Millionen.
Oettinger betrachtete die wichtigsten globalen Märkte wie ein Pentagramm: An erster Stelle stehe die USA, gefolgt von China, Indien und Russland. Der fünfte Spieler auf dem Weltmarkt könnte die EU sein – denn „Zwergen im Team können Riesen bändigen“, so Oettinger. Mit einer gemeinsamen Außenpolitik, mit gemeinsamen Strategien z.B. bei globalen Pandemien, mit gemeinsamen Schüleraustauschen wächst die Verbindung der europäischen Staaten und ihr Auftreten. Nicht unerwähnt ließ Oettinger dabei die Bedeutung der Europaschulen, welche während der Schulzeit bei jungen Menschen den europäischen Gedanken fördern.
Bildung als Schlüssel zum Erfolg
Oettinger verwies auf die Bedeutung technologischer Innovationen und digitaler Souveränität. Er verdeutlichte, wie wichtig Daten als Währung des 21. Jahrhunderts sind. Ohne digitale Eigenständigkeit und Cybersicherheit drohen wirtschaftliche Rückschläge.
Zudem betonte er die essenzielle Rolle von Bildung und Weiterbildung. „Ihre Arbeitswelt wird sich gewaltig verändern“, hieß es in einer klaren Ansprache an die Schüler*innen. Lebenslanges Lernen sei der Schlüssel, um in einer sich wandelnden Welt erfolgreich zu bleiben. „Bleiben Sie neugierig. Nehmen Sie jedes Angebot zur Weiterentwicklung – von Ihrem Arbeitgeber, von freien Trägern, von Gewerkschaften und von Schulen – wahr. Nehmen Sie jeden Boxenstopp wahr. Bleiben Sie fit!“, appellierte der ehemalige EU-Kommissar an die Jugendlichen. „Ihr seid in Cloppenburg zuhause und werdet im europäischen Binnenmarkt aktiv sein, aber ihr seid Weltbürger. Interessiert euch für andere Länder, versteht sie, denkt euch in ihre Perspektive hinein! Davon hängt ebenfalls euer Zurechtkommen in einer globalen Welt ab!“ Und letztlich versuchte er die Bedenken vor 40-Stunden-Wochen und spätem Renteneintritt zu nehmen: „Begreift, dass ihr einen tollen Lebensstandard habt, der von euren Vorfahren aufgebaut wurde. Begreift, dass ihr tolle Chancen habt, den Wohlstand zu erhalten!“.
Spannende Fragerunde
In der anschließenden Fragerunde, moderiert von den beiden Schülerinnen Dana Kirakosyan und Emilia Stadniczuk, beantwortete Oettinger Fragen zu aktuellen Themen. U.a. wollten die Schüler*innen wissen, wie er die Auswirkungen von Strafzöllen auf chinesische Autos wahrnimmt, wie landwirtschaftlich geprägte Länder in Bezug auf den Klimawandel stärker in die Pflicht genommen und unterstützt werden können und welche Auswirkungen die Trump-Wiederwahl auf den internationalen Handel haben wird. Dabei wurde deutlich, dass Europas Stärke in seinem gemeinsamen Handeln liegt.
Ausblick
Die Veranstaltung inspirierte die Gymnasiast*innen dazu, ihre Rolle als aktive Gestalter einer globalisierten Welt zu überdenken. Mit der Botschaft, dass Chancen und Risiken eng verbunden sind und Mut sowie Engagement gefragt sind, gingen die Teilnehmer*innen mit vielen Informationen und wichtigen Impulsen in ihren Alltag zurück.
Bild 1: Moderatorin Dana Kirakosyan (BGS 2-1), Günther Oettinger, Moderatorin Emilia Stadniczuk (BGGP 3-1)
Bild 2: Günther Oettinger nimmt zu Fragen aus dem Publikum Stellung.
Bild 3: Dirk Meinhardt (Teamleiter Betriebs- und Volkswirtschaft und Organisator), Folker Arndt (Stellvertretender Schulleiter), Anne Rüter (BVW-Lehrerin und Organisatorin), Günter Lübke (Schulleiter), Timo Möhlenkamp (Koordinator Berufliche Gymnasien), Günther Oettinger (ehemaliger Ministerpräsident a.D., EU-Kommissar a.D.)






