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Anmeldungen für das Schuljahr 2018/2019 sind voraussichtlich erst ab dem 1. Februar 2018 online auf dem neuen Anmeldeportal des Landkreises möglich. Die Anmeldungen müssen bis zum 20. Februar 2018 erfolgen.

AusbildungPlus an der BBSaM in Löningen

 

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Nathan der Weise – verblüffend aktuell im Spiegel unserer Gesellschaft
Sonntag, 1. Oktober 2017

20171001_nathan der weise_small.jpgNicht viele etablierte Theater nehmen sich Gotthold Ephraim Lessings letztem Werk an. Allzu klassisch scheint der Stoff, um die Auditorien zu fesseln, allzu langatmig die Dialoge. Und dann diese Ringparabel!

 

Wie soll man ihre Worte einordnen können, wie soll man sie verstehen? Wie das gelingt und dazu auf unvermutet einfache, ja sogar unterhaltsame Art, das haben 18 Schüler dargestellt. Im Rahmen von BlackBoxx, dem Schülertheater der BBSaM Cloppenburg im Forum Hasetal in Löningen vor Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern aus 17 verschiedenen Schulen aus dem gesamten Nordwesten.

Man kennt die Qualität von BlackBoxx bereits seit 2012, seit das Schülertheater Ganzwerke zur Aufführung bringt, die als verbindliche Lektüre für das Zentralabitur in den Gymnasien gelesen und analysiert werden. Für den Abiturjahrgang 2019 bedeutet dies „Nathan der Weise“ doch für die Akteure von BlackBoxx birgt der Stoff des 1783 in Berlin uraufgeführten Ideendramas als zusätzliche Herausforderung die Darstellung des Inhaltes – mit dem Ziel, ihnen und den zuschauenden Schülern eine breitere Rezeptionskompetenz zu erschließen.

Diesem Anspruch wurde durch die Aktivitäten von BlackBoxx in den vergangenen Jahren in optimaler Weise stattgegeben, und auch die jüngste Aufführung ließ an diesen Ambitionen keinen Zweifel. Im Gegenteil, denn kaum, dass die Vorstellung im Forum Hasetal in Löningen begonnen hatte, erschlossen sich die bestimmenden Gedanken des Stückes – Humanismus und Toleranz – in einer Weise, die aufklärerischer nicht sein konnte. Und das im Zeitgeist der Jahre 1189/92, zur Zeit des 3. Kreuzzuges in Jerusalem. In Zeiten wachsender Intoleranz war da die Reflexion bezogen auf das Heute ein natürlicher Schritt.

Dagegen steht der Jude Nathan, der von einer Geschäftsreise zurückkehrt um zu erfahren, dass seine Pflegetochter Recha von dem jungen Tempelherrn Curd von Stauffen aus dem Feuer seines brennenden Hauses gerettet wurde. Schon einmal hatte Nathan seine Familie verloren, seine Frau und seine sieben Söhne. Dann war ihm das „Christenbaby“ Recha im Alter von acht Wochen gebracht worden. Nathan machte Frieden mit Gott und zog Recha als sein Kind groß. Ungeachtet etwaiger religiöser Differenzen. Die für Nathan ohnehin nicht existieren. Jedoch zögert er bei der Zusage zur Hochzeit Rechas mit dem jungen Tempelherrn, der sich unsterblich in Nathans Tochter verliebt hatte. Nathan will sich dem Bund aber nicht verweigern, weil der Ordensritter anderen Glaubens ist, sondern weil er ahnt, dass von Stauffen Rechas Bruder ist. Was dieser jedoch eine Weile lang nicht zu begreifen scheint, da er sein Leben doch Sultan Saladin, dem muslimischen Herrscher Jerusalems verdankt. Was wiederum mit der äußeren Ähnlichkeit von Stauffens mit dem Bruder des Herrschers Assad zu tun hat...

Muslime, Juden, Christen, ein Tempelherr, ein Sultan, ein Klosterbruder, eine Reihe schöner Frauen und Nathan der Weise; Zänkereien, Missverständnisse, egozentrisches Machtgehabe; versöhnliche Gesten aufgrund der zutiefst menschlichen Prägung von Humanismus, Toleranz und Versöhnung. Klarer konnte man die enge Verwandtschaft der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionsfamilie nicht verdeutlichen – die Erkenntnis dazu mündete in einem begeisterten „Shalom! Shalom!“ mit dem die Schauspieler sich auf der Bühne die Hände reichten. Da war das Publikum schon in begeisterten Applaus ausgebrochen, und es gab nicht einen der zahlreichen Zuschauer, dem der klassische und gleichzeitig aktuelle Kontext dieses Lessing´schen Werkes verborgen blieb.

Dies war eindeutig den Darstellungen der BlackBoxx-Akteure zu verdanken, die durch ihre Jugend, ihr Engagement und ihren Enthusiasmus die Weisheiten Nathans auf mitreißend aktuelle Weise interpretierten. In der Freude und der Begeisterung ihrer Darstellungen, auf, neben und hinter der Bühne. Denn die Bühnenbilder und die auch dazu gehörende Technik waren von einer Professionalität, die manches etablierte Theater im sprichwörtlichen Dunkel stehen ließe.

In all dem erschienen der Schwung und Ausdruckskraft der Beteiligten von BlackBoxx wie Fingerzeige: Von dem Geschehen auf der Bühne direkt in die Wahrnehmungen der Zuschauer und – in ihre Herzen. Konnte doch niemand mehr eine zweifelhafte Haltung „Fremden“ gegenüber nachvollziehen. Zumal es keine Fremden gibt, wie Nathan darlegte und auch niemanden, den wir bevorzugen könnten.

Wie doch die Ringparabel laut dem Gleichnis von jenem Vater lehrte, dessen wertvoller Ring seinen Träger „vor Gott und den Menschen angenehm“ mache. Dieser sollte, seiner Anordnung nach jeweils dem Sohn vererbt werden, den er vom Vater am meisten geliebt wurde. Bis einer seiner Nachfahren jeden seiner drei Söhne gleich stark liebte und deshalb exakte Duplikate des Ringes anfertigen ließ, damit keiner sich benachteiligt fühlen musste. Dessen wurden die Brüder gewahr und sie zerstritten sich bis vor den Richter. Der, ein ebensolch weiser Mann wie Nathan, gab jedem der Brüder den Rat zu glauben, dass sein Ring der echte sei. Denn das sei er schließlich, da ihr Vater jedem von ihnen zutraue, vor „Gott und den Menschen angenehm zu sein.“ Also sollten sie sich darum bemühen.

Niemand ist also mehr wert als der andere und was die Menschlichkeit angeht, die höchste unserer Verpflichtungen – jeder solle sich bemühen, „den Ring in Ehren zu tragen.“ Einfach Mensch zu sein. BlackBoxx hat mit „Nathan der Weise“ dieses Bild in die Beste aller Szenen gesetzt!